Wie ein Netztrafo funktioniert, wissen wir wohl noch alle aus dem Physikunterricht...
Eine Röhrenschaltung stellt allerdings besondere Anforderungen an den Netztrafo, denn wir benötigen ja zum einen eine leistungsstarke Sekundärwicklung für die Heizspannung der Röhren, z.B. 6,3 oder 12,6 Volt, sowie eine Hochspannungswicklung zur Erzeugung der Betriebsspannung der Schaltung, also der Anodenspannung. Mit der Standardware aus dem Elektronikladen ist hier also nichts zu machen.
Mit Ausnahme vielleicht von ganz kleinen Leistungen beiVorverstärkern oder Kopfhörerverstärkern, da kann man auch den im Buch "Röhrenverstärker von 0,3 bis 10 W erfolgreich selbst bauen" erklärten Trick mit den zwei umgekehrt hintereinander geschalteten Printtrafos anwenden, man benötigt dann jeweils nur eine Sekundärwicklung. Zwischen den Trafos wird dann die Heizspannung abgenommen, und an der eigentlichen Primärwicklung des zweiten Trafos die Hochspannung für die Anoden.
Möchten Sie den Verstärker mit einer Zweigweg-Gleichrichterröhre z.B. EZ80/EZ81 usw. aufbauen, benötigt der Trafo eine spezielle Wicklung mit Mittelanzapfung, welche nach der Gleichrichtung den Massepunkt der Schaltung bildet, oder zwei gleiche Sekundärwicklungen, die Sie in Serie schalten können, dann ist die Verbindung zwischen beiden Wicklungen die Mittelanzapfung.
Hat der Trafo nur eine Sekundärwicklung, und soll trotzdem eine Gleichrichterröhe aufs Gerät, gibt es auch noch einen Schaltungstrick wie man mit zwei Dioden eine künstliche Masse - sprich "Mittelanzapfung" erzeugt, allerdings sind dann ja doch wieder Halbleiter im Gerät...
Beim Strombedarf für die Anoden müssen Sie immer mit mindestens 1/3 Aufschlag rechnen bzgl. der Leistung die der Trafo bringen muss.
Ein Beispiel: Die Hochspannungswicklung eines Trafos leistet 250V~ und 100mA , also 25 VA.
Nach Gleichrichtung mit einem Brückengleichrichter entsteht eine um ca. 40% höhere Spannung, also roundabout 350V. Die Trafoleistung bleibt aber logischerweise mit 25VA konstant.
Der Trafo kann dann bei 350V also nur noch ca. 72 mA liefern.
Berücksichtigen Sie dies immer! Auch der Heizstrombedarf für die Röhrenheizungen ist nicht zu unterschätzen. Selbst bei einem Eintakt-EL34 Monoblock , evtl. noch mit einem magischen Auge und einer EZ81 Gleichrichterröhre kommen schnell 3 - 4 Ampere zusammen!
Der Gesamtbedarf an Hoch und Niederspannung lässt sich im Vorfeld über die entsprechenden Datenblätter oder Röhrentabellen schnell und leicht errechnen. Denken Sie auch daran, dass es Unterschiede zwischen Herstellern gibt. Die eine EL34 zieht anstelle der 1,5A Soll laut Röhrentabelle vielleicht nur 1,3A , eine andere vielleicht 1,7A. Also immer Puffer einrechnen.
Zudem wird der Trafo statisch duch die Röhrenheizungen und auch dynamisch durch die wechselnden Betriebsspannungsverhältnisse je nach Aussteuerung und Impulsen der Musik belastet.
Überlegen muss man auch bei der Auswahl, wie man den Trafo einbauen will. Gibt es Hauben für die Kerndimension wenn der Trafo aufs Gehäuse soll, oder reichen Fußwinkel, weil der Trafo sowieso ins Gehäuse oder in ein separates Netzteilgehäuse soll, welches später unsichtbar hinterm Schrank steht?
Abbildung: Lackierte und unvorbereitete Abdeckhaube:
Auch beim Netztrafo gilt wie beim Ausgangsübertrager: Gutes Blechmaterial, absolut gleiche Wicklungen insbesondere bei Mittelanzapfungen und präzise Fertigung sind das A und O.
Beim Einbau gehört das Blechpaket immer geerdet an den Schutzleiter! Sorgen sie auch für gute Belüftung! Es geht nicht nur um die Erwärmung des Trafos selbst, sondern auch Widerstände usw. verändern ihre elektrischen Werte wenn diese Temperaturschwankungen ausgesetzt sind. Auch Elkos nehmen eine allzu warme Umgebung übel, sie trocknen dann mit der Zeit aus...