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Wieso eigentlich heutzutage noch ein Röhrenverstärker?

Röhrenbestückte HiFi-Verstärker werden seit Mitte der 90er Jahre wieder immer beliebter.

Testberichte und Zuwendung der einschlägigen Fachzeitschriften zu diesem Thema, und die stetig anwachsende Fan- und Forenanzahl, sowie die Zahl der Internetseiten (wie auch diese) die sich mit der Faszination Elektronenröhre beschäftigen, wächst ständig.
Röhrenverstärkern wird ein angenehmerer, wärmerer Klang nachgesagt. 

Die meisten die noch Röhren kennen, denken dabei zuerst an alte, manchmal auch nicht besonders gut klingende, da oft aufgrund der hohen Bauteilepreise (insbesondere Kondensatoren und Ausgangstrafos) sparsam aufgebaute Radios im Holzgehäuse aus der Kindheit. 




 
 

 


Als in den 1950er Jahren die „HiFi“ Ära begann, entwickelte man immer mehr in Richtung hochwertige Geräte und Schaltungen, die das Klangbild möglichst linear und unverfälscht wiedergeben sollten.

Bereits wenige Jahre danach verdrängte allerdings die inzwischen preiswert gewordene Halbleitertechnik die Röhrengeräte vom Markt. Der Halbleiter verschleisst nicht, ist leichter, mechanisch unempfindlicher, braucht keine zu heizende Kathode, ist nicht zerbrechlich wie der Glaskolben einer Röhre, er benötigt keine lebensgefährliche Anodenspannung von einigen hundert Volt, und meist auch keinen Ausgangsübertrager zur Anpassung an niederohmige Lautsprecher - man könne meinen: alles nur Vorteile. 

Und dennoch trotz allem :

Seit den 1990er Jahren ist der Röhrenverstärker „zurückgekehrt“ – und zwar mit modernen Schaltungen, und den heutzutage verfügbaren weiteren Bauteilen hoher Qualität, die es ermöglichen, einen Röhrenverstärker zu bauen, dem selbst Fachleute eine ausgesprochen hervorragende akustische Qualität und angenehme Klangcharakteristik zugestehen müssen.

Röhrenverstärker produzieren im Gegensatz zum Transistor andere sog. geradzahlige Harmonische – dieses Oberwellenspektrum wird vom menschlichen Gehör als angenehmer Empfunden als die ungeradzahligen Harmonischen ihrer halbleiterbestückten Kollegen.

 Testhörer attestieren den Geräten aufgrund dessen immer wieder den „besseren“ „warmen , seidigen Röhrenklang“ – trotz der Tatsache, dass einige Experten sagen, dies sei eine „Klangverfälschung“ oder nur „Einbildung“.

Wenn man heute einen Verstärker baut oder einen inzwischen wieder industriell gefertigten anschaut, sieht man: es wird ein großer Teil der Mühe nicht nur der Schaltung sondern auch der Optik des Gerätes gewidmet. Metall, Viel Chrom, Seitenteile oder ganze Gehäuse aus Granit, Marmor oder Edelhölzern – alles ist machbar.



 


Alles was man früher in die Geräte gepackt hat, wird heute extra zur Geltung gebracht. Man zeigt gerne, was „das Gerät hat“. Große Trafos mit Abdeckungen, vergoldete Röhrenfassungen und vieles mehr sorgen für High-Endiges Aussehen.

Sicher ist, dass auch der schöne Anblick der glühenden Röhren auf dem Verstärker sehr auf den Benutzer wirkt, und gerade im abgedunkelten Zimmer Musikhören zu einem ganz neuen Erlebnis macht. Das Auge hört dann quasi mit....

Teilenachschub ist hingegen aufgrund der wachsenden Fangemeinde mittlerweile zum Glück kein größeres Problem mehr.

Und guter Teilenachschub ist wichtig. Ganz wichtig. Um Röhren wird manchmal ganz viel Voodoo betrieben, und oft viel Geld bezahlt. Aber: die beste Schaltung und die beste Röhrenbestückung werden nichts nützen, wenn der Übertrager , welcher die Schaltung mit Ihren Lautsprechern koppelt , von minderer Qualität ist und daher die oberen und unteren Frequenzen, welche gute Röhren und Schaltungen schaffen, nicht übertragen bekommt. Grundsätzlich gilt beim Übertrager: Eisen ist durch nichts zu ersetzen. Im Zweifelsfall lieber eine Nummer zu groß als zu klein.

Selbst Röhren wie diese hier abgebildete EL84 und EL34 , typische End-Verstärkerröhren werden heute immer noch oder wieder neu produziert. Und es werden mehr.


Nicht nur die Verstärkung sondern auch die Gleichrichtung mit Röhren hat einige Vorteile. Bei Spitzenbelastungen bricht die Spannung nicht schlagartig ein, wie bei Halbleitern, sondern die Röhre zeigt sich gutmütig, und geht langsam in die Verzerrrung statt ein Halbleiter, der einfach den Sinus bei Überlastung kappt und somit zu schlagartig einsetzendem „Clipping“ führt. Nicht schön für die Ohren, und auch gefährlich für die Lautsprecher.Bei kleinen Leistungen sollte man wo es geht daher im Netzteil auch auf den Halbleiter verzichten. Ausserdem ists ja nur so richtig stilecht...

Die Sache mit den Watt: Angeblich 1000 W Maximal beim 5.1 System vom Discounter , und 4 x 80 W aus dem billigsten Autoradio, und 2 x 30 W aus dem CD-Radio für unterwegs....meist Phantasiewerte und geschönte Angaben nach irgendwelchen unbekannten Messverfahren – mit Klirrfaktor gemessen bei dem man schon lange nichts mehr versteht. Meist dick auf der Verkaufsverpackung hervorgehoben, soll ja zum Kauf anregen.

Wer schon einmal einen Stereo-EL34-Verstärker mit 4 Röhren im Gegentakt oder echte 2 x 6 Röhren-Watt aus einem Stereo-Eintaktverstärker mit vernünftigen Übertragern und Lautsprechern mit hohem Wirkungsgrad gehört hat, weiß: Das sind echte Röhrenwatt !

Mehr braucht man nicht, es sei denn, man will ständig Ärger mit Frau Müller von nebenan haben... 

Und außerdem geht’s nicht nur um Leistung, sondern es geht in erster Linie auch um den Klang. Klar muß der Verstärker auch den Dynamiksprung zwischen den leisesten und lautesten Passagen bei klassischer Musik verarbeiten können, keine Frage.

Aber sonst – Wer hört denn ständig auf 90 dB ??

Ich wünsche viel Spaß beim Stöbern und hoffe ich habe Ihr Interesse für die Röhrentechnik etwas geweckt....

Mehr ausführliche Infos gibt es auch im Wikipedia mit den Suchworten "Röhrenverstärker" oder "Elektronenröhre"...